Nachruf auf Hans Hülsenbeck

Ich lernte Hans Hülsenbeck während meiner Trainertätigkeit in München durch Vermittlung eines damaligen Besitzers (Rene Nicolas) kennen. Rene erzählte mir öfters von einem ganz tollen Menschen, einem ehemaligen Besitzer, mit dem er zeitgleich Pferde bei Dieter Fechner hatte und befreundet sei. Leider hätte dieser zwar die Nase vom Rennsport voll, er würde ihn aber gerne wieder für den Rennsport zurückgewinnen. Dieser Plan sollte mit mir als Trainer gelingen. Zu diesem Zwecke fuhren wir also nach Nördlingen, zur Kaiserwiese, wo ich meine erste Begegnung mit Hans Hülsenbeck hatte. Es war für mich als Österreicher zunächst nicht leicht, seinen harten Dialekt zu verstehen, erst nach einigen Jahren sollte mir das problemlos gelingen.
Die beiden, Hans und Rene, erzählten sich von alten Zeiten, danach zeigte Hans mir seinen selbstgezogenen Flying Hero. Bald darauf stand "Fly", wie Hans ihn liebevoll nannte, bei mir im Stall in München-Riem. Sehr bald hatten wir beide ein Verhältnis, welches weit über das zwischen Trainer und Besitzer übliche hinausging. Hans kam nicht nur sein Pferd besuchen, stets verbanden wir die Besuche mit einem gemeinsam Essen, sprachen dabei über dieses und jenes, auch über private Dinge des Lebens. Bald waren tägliche Telefonate, meist zur Abendszeit, Programm. Er fand sich lieber in der Rolle des Zuhöreres als in der Rolle des Erzählers. Er fragte nicht nur so nach dem Wohlbefinden, sondern meinte es ernst und wollte wirklich wissen, wie es einem geht und was sich im Leben des Anderen tut. Bald brachte er seinen Wohnwagen und konnte so auch manchmal mehrere Tage am Stück problemlos bei uns bleiben. Dadurch hat sich unser Kontakt zusehends intensiviert, wir standen beinahe in einem ziehväterlichen Verhältnis. Die Tage bei uns waren sein Urlaub.

Hans Hülsenbeck stammt aus einer traditionsreichen Metzgerfamilie in Nördlingen. Seit über 380 Jahren, seit der Metzger Matthäus Hülsenbeck 1636 aus Giengen zuzog, ist die Familie Hülsenbeck in Nördlingen im Metzgerhandwerk tätig. Hans hat zwei Töchter, erzählte jedoch von seinen familiären Verhältnissen mehr oder weniger nichts oder nur sehr wenig. Seine langjährige Lebensgefährtin war Nadia Münzinger. Sie war es, die sich um die Pferde kümmerte, wenn Hans im Rennstall war. Hans war ein Pferdemensch durch und durch. Sein Hauptaugenmerk galt dem Turniersport. Er war selbst ein sehr guter Reiter und probierte sich vor meiner Zeit auch als Arbeitsreiter. Bis zuletzt hatte er den 1. Vorsitz des Reit und Fahrverein St. Georg Nördlingen e.V., wo auch seine Pferde eingestellt waren, inne. Immer wieder erzählte er mir von seinen montäglichen Vorstandssitzungen und seinen Tätigkeiten im Verein.

Alljährliche Veranstaltungen die ihm sehr am Herzen lagen waren das Scharlachrennen, das er 2018 auch gewann, sowie die jährliche Pfingstmesse in Nördlingen auf der Kaiserwiese, bei der wir sehr gerne jedes Jahr dabei waren. Gott sei dank auch dieses Jahr, trotz meiner Achilessehnenruptur. Außerdem das historische Stadtmauerfest in Nördlingen um nur ein paar zu nennen. Er war ein stolzer Nördlinger, wusste viel über die Historie seiner Stadt und vermittelte sein Wissen sehr gerne.

Seine ersten Rennpferde hatte er wohl 1983 bei Trainer Staudte in München. Von der Zeit bei Dieter Fechner erzählte er gerne. Seit mehr als 10 Jahren standen seine Pferde nun bei mir im Training. Hans bevorzugte den Kauf von Pferden, die schon gelaufen waren, an denen er gesundheitlich "basteln" konnte. An dieser Stelle seien Nice Danon, Bacchus Danon, Palm Danon und Rosennähe erwähnt.
Eine große Ausnahme bildete der Wittekindshofer Rosenhill, den er auf der Jährlingsauktion erworben hatte. Vermutlich das beste Pferd, das Hülsi mir ins Training stellte. Mit ihm hatten wir zusammen eine unvergessliche Zeit und ein wunderbares Erlebnis: die Vorbereitung auf und dann der Start im Deutschen Derby. Hans fuhr fast nur nach München und Iffezheim auf die Rennbahnen, den Start im Derby in Hamburg wollte er sich dann aber doch nicht entgehen lassen und kam natürlich hin. Auch der Vorabend beim Derby Dinner oder die Alster Fahrt verbrachten wir gemeinsam und werden tief in meiner Erinnerung bleiben.
Unvergesslich für Eva und mich auch der Sieg der Perlenkette mit einem Pferd von Hans - Bacchus Danon, der auch sein letzter Sieger (am 26. Mai 2019) bleiben sollte. Seinen letzten Starter, am 8. Dezember in Neuss, verfolgte er schon aus dem Krankenhaus.

Hans gab seinen Pferden immer alle Chancen und jede Zeit der Welt. Sie nach der Rennlaufbahn zu verkaufen war für ihn kein Thema. Die Förderung junger Menschen im Rennsport oder besser gesagt im Leben war ihm ein Anliegen. Beispielsweise setzte er stets Eva auf seine Pferde, auch im Derby. Druck auszuüben war ihm fremd. Ganz im Gegenteil war er ein Ruhepol, ein Mensch, den ich immer als beruhigend empfand. Vielleicht war das auch etwas seiner tiefen Stimme, mit der er auch Pferde immer ruhig bekam, geschuldet. "Ruhig, Ruhig" waren oft seine ersten Worte, wenn er ein Pferd begrüßte und er merkte, dass es etwas verunsichert war.
Beim Personal war er sehr beliebt, auch weil er gerade zur Grillsaison immer hervorragende Würste oder Fleischsalate aus seiner Metzgerei mitbrachte. Wenn wir essen gingen, waren es beim Italiener immer die Spaghetti Frutti di Mare, im Hopfenschlingel der Haxn, beim Jugoslawen in Hügelsheim der Kroatische Teller - jeweils mit viel Brot und einem alkoholfreien Bier.
Auf langen Reisen, die bis spät in die Nacht oder die Morgenstunden dauerten, versuchte er immer den Fahrer wach zu halten, sei es durch ein kurzes Telefonat oder eine Whatsappnachricht. Zu diesem Zweck war der sonst so vornehme, charmante Hans sich für keinen schlechten Scherz, keine zweideutige Andeutungen oder frivole Nachricht zu Schade. Da konnte er schon ein echter Schlawiner sein. Es war jedenfalls Pflicht, sich nach guter Ankunft kurz bei ihm zu melden. Er war sowieso ein Nachtmensch und ein Lebemensch (ein alkoholfreies Bier ging immer noch) auch wenn alle anderen schon müde waren und ans Bett dachten.

Neben der Liebe zu den Pferden sollte man auch seine Leidenschaft für das Sammeln von Bildern und Gemälden, die er oft in schlaflosen Nächten fachkundig auf Auktionen in der ganzen Welt erwarb, erwähnen.
Mit der Homöopathie erzielte er große Erfolge. Sie machte ihm riesigen Spaß. Leider bekam er aber auch die Grenzen deren Möglichkeiten, die er vielleicht nicht immer wahrnahm oder nicht wahrnehmen wollte, aufgezeigt Als ich ihn kennen lernte, war er ein Kettenraucher. Die stetig höher werdenden Tabakpreise und vielleicht auch die Gesundheit erwiesen sich für ihn als Antrieb genug, zuerst auf die E-Zigarette umzusteigen, um dann sogar ganz aufzuhören. Hut ab. Er hatte viel Willen, manchmal auch schon fast ins Sture gehend viel Willen. Aufgeben gab es für ihn nicht. Auch deswegen gaben wir die Hoffnung für ihn bis zum Schluss nicht auf, auch wenn es aussichtslos aussah.

Hans, die täglichen Gespräche mit Dir werden mir abgehen. Wir werden Dich unendlich vermissen.

Starter


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